Oper „Der Kaiser“

Anlässlich des Hessentages 2012 in Wetzlar veranstaltete das Wetzlarer Kammerorchester unter der Leitung von Martin Knell am 31.5.2012 im Wetzlarer Dom  die Auftaktveranstaltung „Der Kaiser“,  eine Oper von Gustav Adolf Schlemm im Wetzlarer Dom. Die Darbietung  der Sänger, der Chöre und des Orchesters sowie die aufwändige Inszenierung und Regie von Ingrid Knell fand überregional Anerkennung (s.u. Presseberichte)

Wiederaufnahme der Opern-Aufführung
am 29. und 30. August 2013

Die Wiederaufnahme gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Die Opernproduktion „Der Kaiser“ ist in die Kulturgeschichte Wetzlars eingegangen.

„Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium
_______für Wissenschaft und Kunst gefördert“.

logo-ministerium

„Der Kaiser“ steht unter der Schirmherrschaft von
____Staatsministerin Eva Kühne-Hörman

Mit freundlicher Unterstützung von

sposorenkaiser

 

kaiser2013

 „Der Kaiser“

Musikalische Chronik in zehn Bildern
Schlemm (1902-1987) ist ein  über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannter Wetzlarer Komponist.
Sein Kompositionsstil ist gemäßigt modern, mit spätromantischen Anklängen.

Die 1967  geplante Sendung der Oper im ZDF scheiterte an Kosten.
Somit war die Aufführung am 31.5.12 zum Hessentag im Wetzlarer Dom eine  Welturaufführung .

Hier kommen Sie zur Bildergalerie der Aufführung von 2012

Hier sind Links von der Generalprobe 2012
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Ausführende Solisten von___________2012___________________2013:
Tile Kolup, Bass-Bariton         Konstantin Heintel    Konstantin Heintel
Erzbischof Siegfried, Tenor      Ralf Simon            Ralf Simon
König Rudolf, Bass               Jürgen Orelly         Jürgen Orelly 
Eckart, Bass                     Hans Werner Bramer    Hans Werner Bramer
Grit, Eckarts Frau, Alt          Nicole Dellabona      Nicole Dellabona
Anne, Sopran                     Eike Dyck             Eike Dyck
Äbtissin Berta, Alt              Nicole Dellabona      Nicole Dellabona
Bürgermeister von Wetzlar, Tenor Daniel Sans           Daniel Sans
1. Sekretär/1. Bürger,Tenor      Christian Dietz       Christian Dietz
2. Sekretär/Ratsherr,Tenor       Sören Richter         Florian Neubauer
3. Sekretär, Tenor               Michael Brauer        Michael Brauer
1. Bauer/ 2.  Bürger, Bass       Wolfgang Weiß         Wolfgang Weiß
2. Bauer/ 3.  Bürger, Bass       Stefan Grunwald       Vito Tamburro
Weib des Ratsherrn, Alt          Teresa Romagnoli      Teresa Romagnoli
1. Bürgerin, Sopran              Franziska Deutscher   Franziska Deutscher
2. Bürgerin, Mezzo               Annette K. Meissner   Annette K. Meissner

Mittelhessischer Projekt-Opernchor, Einstudierung: Jochen Stankewitz;
Inszenierung: Ingrid Knell; Wetzlarer Kammerorchester:  Gesamtleitung: Martin Knell

Schlemm hat dieses Werk für (19!) Solisten, zwei Chöre und großes Orchester 1967 in der ihm eigenen spätromantischen, gemäßigt modernen Tonsprache in Wetzlar komponiert. Libretto: Werner Pusch (ehemals Direktor des Wetzlarer Hessenkollegs)

Die Handlung erzählt die letzten Monate des „falschen“  Kaisers.
1284  behauptet in Köln ein alter Mann, Kaiser Friedrich II. zu sein, der 1250 im süditalienischen  Castel Montefiore gestorben war. Nach  dem Tod des Staufers begann das „kaiserlose“  Interregnum. Das Volk litt unter den zermürbenden, kriegerischen Machtkämpfen der deutschen Fürsten. Gesetzlosigkeit, marodierende Banden, „verbrannte Erde“ und Armut ließen die Sehnsucht nach der starken, ordnenden Hand des Staufer-Kaisers wieder aufleben, zumal Sagen und Legenden von seiner Wiederkehr erzählten.
Der Erzbischof Siegfried von Köln fürchtet Aufruhr und lässt ihn unter Spott und Hohn aus Köln jagen. Der „falsche“  Kaiser wendet sich nach Neuss. Neuss nimmt ihn auf; er hält Hof, vom Volk und Magistrat als Kaiser geliebt und verehrt.
Doch er wird übermütig, opponiert gegen den deutschen König Rudolf von Habsburg, gegen  dessen drückende Steuerpolitik sich der Süddeutsche Städtebund zusammenschloss, dem auch Frankfurt und Wetzlar angehören.
Er zieht mit seinen Gefolgsleuten nach Frankfurt, um Rudolf zu zwingen, sein Königtum von ihm, dem Kaiser, zu Lehen zu nehmen. Auf seinem Weg dorthin bittet er um Quartier in Wetzlar.
Die Wetzlarer nehmen ihn auf, aber nur so lange, bis der König die Herausgabe des Kaisers fordert und mit seinem Heer Wetzlar belagert. Auch der Erzbischof von Köln rückt an und verlangt ein Geistliches Gericht, den Kaiser wegen Ketzerei anzuklagen.
Unter der Folter, auf dem Kalsmunt,  gesteht er, Tile Kolup zu sein. Er wird wegen  Betrug und Ketzerei zum Tod verurteilt. Am 7. Juli 1285 stirbt er in den Flammen des Scheiterhaufens.

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Diese Uraufführung von 2012 in der Presse:

Die Achse des Mehrdeutigen

Schlemms leider in der Schublade verschwundene Oper „Der Kaiser“ feiert posthume Uraufführung in Wetzlar

Von Hans-Jürgen Linke (Frankfurter Rundschau 2.6.2012)

Als Gustav Adolf Schlemm vor 26 (korrigiert,cw)  Jahren in Wetzlar starb, war seine einzige Oper, „Der Kaiser“, entstanden 1967, in den Sedimentschichten der Komponistenschublade verschwunden. Sein Librettist Werner Pusch, Gründer des Hessenkollegs, berichtete von Schwierigkeiten, für das Werk Ende der sechziger Jahre eine Bühne zu finden, ohne dafür andere als pragmatische Gründe namhaft zu machen. Martin Knell, der seit vielen Jahren das Musikleben in Wetzlar maßgeblich prägt, hat das Werk jetzt mit Wetzlarer Bordmitteln am Vorabend des Hessentages zur Uraufführung im Dom der Stadt gebracht -leider nur für eine einzige Aufführung, so dass dieses in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Ereignis in den Schlagschatten der globalen Popmusik gerät, die die Hessentags-Eröffnung dominiert.

Schlemms Oper behandelt einen historischen Stoff, dem sich Legenden aus dem wilden Mittelalter beigemischt haben. In der Reichsstadt Wetzlar taucht 1285 ein Mann auf, der sich als Kaiser Friedrich H. ausgibt. Etliche Leute glauben ihm gern, weil sie Hoffnungen auf ihn projizieren können, bis König Rudolf von Habsburg und Erzbischof Siegfried von Köln auftauchen und dem falschen Kaiser einen vergleichsweise kurzen Prozess machen.

Schlemms Oper und Puschs Libretto erzählen die Geschichte nicht aus der Besserwisser-Perspektive offizieller Geschichtsschreibung, sondern geben der Figur des Betrügers Tile Kolup eine anregende Mehrdeutigkeit. Sie werfen in aller Milde die Frage auf, ob und aufgrund welcher Daten man bei dem geringen Vergesellschaftungsgrad von Information im Mittelalter sicher sein konnte, einen Betrüger vor sich zu haben, und stellen die Machtinteressen der Kirche und des neuen Königs in den Vordergrund vor die weniger interessante Frage nach historischer Wahrheit.

Die Inszenierung (Ingrid Knell) geht einen kleinen Schritt weiter ins Mythische, indem sie Kolup mit einer leichten Jesus-Andeutung zum potenziellen Erlöser macht, Rudolf zum Pontius Pilatus und die Kirche zum machtbewussten Mörder. Schlemms Werk erscheint als spätromantische Variante eines epischen Musiktheaters. Knell hat eine Art halb-szenisches Mysterienspiel mit Kostümen und kommentierendem Chor (Einstudierung: Jochen Stankewitz) daraus gemacht, bei dem alles, was zu singen und zu sagen ist, nachdrücklich ans Publikum gerichtet wird. Das wird dem Werk ebenso gerecht wie dem Aufführungsort, mit dessen akustischen Tücken Martin Knell und das Wetzlarer Kammerorchester überraschend gut zurechtkommen. Konstantin Heintel in der Titelpartie und Hans Werner Bramer als sein treuer Eckart fungieren als Achse des Guten in einem vieldeutig angelegten Werk, dem man einen besseren Platz im Repertoire wünscht.

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Gießener Allgemeine Zeitung vom 2.6.2012, Nr. 127, Seite 33

„Kaiser“ in einer packenden Inszenierung

Welt-Uraufführung am Hessentag-Vorabend im Dom – Posthumes Lob für die Komposition von Gustav Adolf Schlemm

Wetzlar (hp). Die alte Reichsstadt an Lahn und Dill kann sich eine weitere Kultur-Auszeichnung ans Revers heften: Die Welt-Uraufführung der Oper „Der Kaiser“ des Wetzlarer Komponisten Gustav Adolf Schlemm (1902-1987) am Vorabend des Hessentag-Auftaktes faszinierte am Donnerstag im Dom das Publikum, das eine herausragende Gesamtleistung des Ensembles mit lang anhaltendem Beifall quittierte. Das engagierte Team um Dr. Ingrid Knell und Prof. Martin Knell   vom Wetzlarer Kammerorchester, die das ehrgeizige Projekt in Angriff genommen hatten und nun mit dem Wetzlarer Projektchor und dem Mozart-Chor Mittelhessen sowie namhaften Solisten eine mehr als eindrucksvolle Inszenierung an authentischer Stelle boten, geht mit seiner Arbeit gewiss in die Lokalgeschichte ein.

Gleich in zweifacher Hinsicht ist das Werk mit der Domstadt verbunden. Zum einen durch den Komponisten, der als Wetzlarer Bürger international bekannt war und ist, und zum anderen durch die Handlung. Die Oper, angelegt für großes Orchester, Chor und 19 Solisten, erzählt von den letzten Monaten im Leben des Hochstaplers Tile Kolup, der sich vor über 700 Jahren als Kaiser Friedrich Il. ausgab und letztendlich in Wetzlar überführt und hingerichtet worden sein soll.

Die Existenz dieses „falschen Kaisers“ ist zwar historisch überliefert, aber nicht in Wetzlarer Urkunden belegt

Die zehn Bilder beginnen auf einem Marktplatz in Köln, wo sich ein alter Mann als Kaiser Friedrich II. ausgibt, gefangen genommen und an den Pranger gestellt wird. Aus der Stadt geworfen, findet ihn der Kriegsmann Eckart, der im Gespräch immer sicherer wird, seinen Kaiser vor sich zu haben. Er ermutigt ihn, als dieser aufzutreten. In Neuss hält er Hof und wird trotz Zweifeln – auch in Wetzlar als Kaiser aufgenommen, um zuletzt noch den Intrigen und Machtkämpfen von Aristokratie, Politik und Gesellschaft zum Opfer zu fallen.

Die spannende, romantische, dramatische und ein wenig traurige Geschichte um den vermeintlichen Kaiser, wurde von Schlemm packend umgesetzt und von den Wetzlarer Akteuren ganz sicher in seinem Sinne auf die Dombühne gebracht.

Ein musikalisches Erlebnis, das Stadtgeschichte und historische Kulisse eindrucksvoll greifbar macht. Bravo den Akteuren, die spürbar mit ganzem Herzen hinter der Sache stehen, vor allem Ingrid und Martin Knell sowie dem Leiter des Chores, Jochen Stankewitz.

 

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Kaiser-Oper schreibt Geschichte

Quelle mit Fotos

Ergreifende Welturaufführung am Donnerstagabend im Wetzlarer Dom

 Wetzlar. Das große und ehrgeizige Projekt der Wetzlarer Kaiser-Oper ist hervorragend gelungen. Nach der Welturaufführung am Donnerstagabend im Dom darf man auf viele weitere Aufführungen hoffen.
Die Wetzlarer Geschichte, komponiert von einem Wetzlarer und nun lange nach seinem Tod von großenteils Wetzlarer Künstlern verwirklicht, dürfte auch weit über die Hessentagsstadt 2012 hinaus für Aufsehen in der Opernwelt sorgen. Schon die Generalprobe am Abend zuvor war ein eindrucksvolles Erlebnis.
Auf der geschickt zwischen Chor und Kirchenschiff aufgebauten – und oft bis auf die letzten Quadratzentimeter ausgenützten – Bühne lassen der mittelhessische Opernchor und die 15 stimmlich bestens aufgelegten Solistinnen und Solisten das ergreifende Musikdrama über Leben und Sterben des „falschen Kaisers“ Tile Kolup lebendig werden. Gustav Adolf Schlemm (1902-1987) hat es geschaffen, der Gießener Politikprofessor Werner Pusch den oft witzig-bissigen Text dazu geschrieben. Im Chor singt übrigens auch Schlemms Witwe Gudrun mit. Hinter der Bühne sorgt – für die Zuschauer unsichtbar – das Wetzlarer Kammerorchester für die optimale instrumentale Begleitung. Großen Anteil an der glänzenden Ausstrahlung der Inszenierung haben die stilsicher und mit einem hervorragenden Blick für Farben und Texturen (von der WKO „Nähstube“) gearbeiteten Kostüme und nicht zuletzt die geniale Lichtführung, die mit den Möglichkeiten des Kirchenraumes ebenso spielt wie mit wechselnden Farbstimmungen.
Schlemms Musik zeichnet sich durch Schlichtheit und innere Spannung aus. Die melodischen Bögen sind weder lieblich noch schroff, die Stimmführung unterstreicht die Aussage der Texte, die Rhythmik lotet alle Feinheiten zwischen Ruhe, Bewegung und heftiger Dramatik aus. Und vor allem zieht sie die Zuhörer in ihren Bann, erzeugt das intime Band zwischen Publikum und Ausführenden, das die Aufführung zu einem grandiosen Erlebnis werden lässt.
Wesentlichen Anteil am Gelingen der Oper haben naturgemäß die Solisten in den tragenden Rollen: Konstantin Heintel (Bass-Bariton), der als angeblicher Kaiser Friedrich II. erst von den Wetzlarer Stadtoberen hofiert und später als Tile Kolup dem gnadenlosen Kölner Erzbischof und dem von Gewissensbissen geplagten König Rudolf ausgeliefert wird, wirkt warmherzig und verschmitzt zugleich. Ralf Simon (Tenor) gibt einen dämonischen Erzbischof, der auch von der Kanzel des Wetzlarer Domes wütet. Und Jürgen Orelly (Bass) verkörpert einen grimmigen aber auch grüblerischen König, der nicht sicher ist, ob Kolup nicht doch ein wiederauferstandener Kaiser Friedrich ist. Eike Dyck (Sopran) stellt sich überzeugend als liebende Frau an Kolups Seite.
Schlemms Oper „Der Kaiser“ in zehn Bildern ist in ihrer Wetzlarer Inszenierung höchst hörens-, sehens- und erlebenswert. Das Programmheft liefert darüber hinaus sehr viel Wissenswertes über Musik, Geschichte, Ausführende und Sponsoren des großen Projektes. Dabei bleiben fast ganz im Hintergrund die beiden führenden Köpfe der Welturaufführung: Ingrid Knell (Regie, Bühne, Kostüme) und Professor Martin Knell (musikalische Leitung), die damit nicht nur ihrer Stadt einen großen Dienst erweisen, sondern auch den Bürgerinnen und Bürgern ein Stück Geschichte auf ergreifende Weise nahebringen.